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Erntefest und Frühjahrshonig-Verkostung

Erstellt am 20. Juni 2015 · Veröffentlicht in Aktuelles

Der Frühling ist vorbei, der Sommer steht vor der Tür – Zeit für ein erstes Erntefest in der Baldurstraße! Eingeladen und teilgenommen haben nicht nur viele Flüchtinge, die in der Baldurstraße untergebracht sind, sondern auch Bestandsmieter des Hauses sowie Flüchtlinge aus Einrichtungen, die mit dem Haus in der Baldurstraße eng zusammenarbeiten. Dazu kamen die BetreuerInnen des Hauses in der Baldurstraße, Kollegen aus anderen Flüchtlings-Einrichtungen in München sowie Frau Wolter von der Bürgerstiftung München, die das Projekt „Brücken bauen mit Bienen“ finanziell und mit vielen Tipps und Anregungen unterstützt. Auch eine langjährige Bewohnerin des Hauses war dabei; sie hat sogar die Essens-Runde mit Radi und Brenzen mit verköstigt.

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Auftakt und Höhepunkt des Festes war die Honigernte mit Honigverkostung mit Frühjahrshonig von den Bienen aus dem Garten der Flüchtlingsunterkunft Baldurstraße.

„Vor der Lindenblüte, die zu den Massentrachten gezählt wird, ist es Zeit, den Frühjahrshonig zu ernten“, erklärt Bioland-Imkerin Kristin Mansmann, die die Bienen in der Baldurstraße betreut. Da die Flüchtlinge aus ihren Heimatländern Honig meist nur als Wabenhonig kennen und schätzen, wurde auf das Schleudern und Abfüllen des Honigs in Gläsern verzichtet. Stattdessen konnte jeder Honigliebhaber eine Wabe, gefüllt mit frischem Honig, in Alufolie eingepackt, mit nach Hause nehmen!

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Wie schmeckt der Baldur-Honig?

Darin waren sich alle einig – er ist köstlich! Mit einem kleinen Löffel konnte jeder frischen, warmen Honig aus dem Bienenstock direkt aus einer Bienenwabe löffeln. Der Honig ist goldgelb und durchsichtig, also noch nicht kristallisiert, sowie relativ flüssig und im Geschmack fein-aromatisch.

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Erst später, so Kristin Mansmann, werde der Honig etwas fester und kristialliseren. Der feine Geschmack komme von den ätherischen Ölen, die in dem frisch geernteten Honig noch vollständig enthalten seien.

Ende Juli, so wurde später vereinbart, wird man pünktlich zum Sommerfest des Hauses ein zweites Mal Honig ernten – diesmal ist es dann Sommerhonig mit einem hohen Anteil an Lindenblüten.

Salat und Kräutertee aus den Hochbeeten

Noch während der größere Teil der Gruppe mit den Bienen und der Honigernte beschäftigt war, kümmerten sich die übrigen um die Hochbeete. Leider, leider hatten sich in der Zwischenzeit einige Schnecken über die Salatpflanzen in einem Hochbeet hergemacht. Auch einige Kohlrabi, die sich sehr gut entwickelt hatten, waren stark angefressen und nicht mehr genießbar; ein paar waren jedoch unversehrt und echte Prachtexemplare!

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Ein Beet war von der Schneckenplage fast verschont und bot reichlich Salatpflanzen und Kräuter. Das Ergebnis: Zwei große Schüsseln grüner Salat mit Kohlrabi und Radieschen sowie Kräutern aus dem Kräuter-Hochbeet. Dazu wurden als Getränke Tee aus frischer Zitronenmelisse und Pefferminze, die ebenfalls in den Hochbeeten kultiviert werden, zubereitet.

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Gemeinsam essen

Kaum war die Ernte vorbei, schüttete es in Strömen. Schnell wurden die Sachen gepackt und weiter ging es mit dem Fest im Gemeinschaftsraum. Dort gab es dann Brot und Brezen zum Salat sowie selbst gemachtes süßes Gebäck.

Leider konnte nur ein Teil der Flüchtlinge, d.h.  die Kinder und Jungendlichen, am gemeinsamen Essen teilnehmen. Der Grund: Derzeit ist Ramadan, also der Fastenmonat für die Muslime.

Daran hatte bei der Planung des Termins jedoch niemand gedacht. Ebenso überrascht waren wir, also wir merkten, dass die Flüchtlinge viele unserer heimischen Gartenpflanzen wie z.B. Salat oder Radieschen, nicht ernten und bislang auch nicht probieren möchten. Doch das ist nicht zwangsläufig ein Nachteil, da zu dem Projekt auch Bestandsbewohner eingeladen sind, die ebenfalls mitgärtnern und ernten können.

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Fazit: Wenn man einen kulturellen Austausch anstrebt, gibt es viel zu berücksichtigen. Religiöse Feste und Termine sind ein Aspekt. Dazu kommen die Hürden der Kommunikation. Obwohl wir die Flüchtlinge gefragt haben, ob sie dieses oder jenes anpflanzen oder kultivieren möchten, war uns nicht aufgefallen bzw. klar geworden, dass bestimmte Pflanzen nicht zu ihrem Speiseplan gehören. Vielleicht haben sie uns nicht verstanden, vielleicht waren sie auch nur höflich und wollten das Angebot nicht ablehnen? Wir wissen es (noch) nicht.

Zum Glück haben wir auf ausdrücklichen Wunsch der Flüchtlinge jede Menge Tomaten sowie Paprika angepflanzt. Wir sind gespannt, wie hier die Ernte ausfallen wird und wie die Flüchtlinge sie zubereiten werden. Die Kräuter, die wir angepflanzt haben, d.h. Minze, Zitronenmelisse, Schnittlauch, Thymian und Petersilie, werden fleißig geerntet und in der Küche der Bewohner verwendet.

Eine Sitzbank als Treffpunkt

Wie geht es weiter in der Flüchtlingsunterkunft? Beim Fest wurde klar: Ein schattenspendender Unterstand ist schön und gut. Doch was zum großen Gartenglück noch fehlt, ist eine Sitzgelegenheit für mehrere Leute. Eine wetterfeste, mobile Sitzbank für den Garten steht seitdem weit oben auf der Wunschliste der BetreuerInnen und der BewohnerInnen. Sich treffen, miteinander reden, den Garten genießen, im Grünen entspannen… eine Sitzbank im Garten erfüllt viele Bedürfnisse – und zwar für alle, die in der Baldurstraße wohnen und arbeiten oder als Gäste vorbeikommen.

Spätestens zum Sommerfest Ende Juli, darin ist man sich einig, wird eine Sitzbank ihre Premiere im Garten der Baldurstraße haben!